„Die güldene Sonne voll Freud und Wonne ...“ | Andacht

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„Die güldene Sonne voll Freud und Wonne ...“ | Andacht

Lars Beuter, Vorsitzender des Presbyteriums freut sich eine Andacht schreiben zu dürfen.

Gern möchte ich Ihnen das alte Lied „Die güldene Sonne voll Freud und Wonne ...“ vorstellen und ein wenig näher bringen. Da es wunderbar zur beginnenden Sommerzeit passt und sich Paul Gerhardt´s Todestag im Mai zum 350sten Mal jährte.

Das Lied erschien 1666, mit Melodie und Satz von Johann Georg Ebeling, den Text schrieb Paul Gerhard während seiner Tätigkeit als Pfarrer in der Berliner Nikolaikirche. Es war eins der letzten Lieder, die er schrieb und ließ sich dabei von zwei älteren Liedern inspirieren.

Etwa 10 Jahre zuvor hatte er seine Frau Anna Maria geheiratet. Ihre gemeinsamen Kinder starben jedoch früh an Krankheiten und Mangelernährung. Nur eins seiner fünf Kinder erreichte das Erwachsenenalter, eine Folge des, erst seit gut 2 Jahrzehnten beendeten, 30- jährigen Krieges. Ungewöhnlich war ein früher Tod von Kindern nicht, starb zu jener Zeit jedes 3. Kind innerhalb des ersten und jedes 7. Kind in den folgenden 3 Jahren. Solche Schicksalsschläge und seine furchtbaren Erlebnisse während des 30- jährigen Krieges verarbeitete Paul Gerhardt in seinen Liedern (vgl. die Strophen 3, 5 – 7, 9 + 11). Niemals jedoch haderte er mit Gott. Stattdessen nahm sein Schicksal demütig an, und lobt Gottes unermessliche Größe (vgl. Strophen 2, 4, 8 +10).

Paul Gerhardt wollte mit seinen Liedern seinen Mitmenschen Mut und neue Hoffnung geben. Ursprünglich hatte er dieses Lied nicht für den sonntäglichen Gottesdienst bestimmt, sondern es sollte der morgendlichen Andacht nach dem Aufstehen dienen. Daher baute Paul Gerhardt das Lied als eine Predigt auf.

Es verbindet das morgendliche Erwachen mit der christlichen Hoffnung auf Auferstehung nach dem Tod. Der Text reflektiert die Vergänglichkeit irdischen Lebens und drückt gleichzeitig tiefen Dank Gott gegenüber aus. Mehrfach wurde das Lied im 19. Jh. auszugsweise ins Englische übertragen.

Bewusst verfasste er 12 Strophen, gleich der Anzahl der Monate eines Jahres. Der barocken Dichtung folgend, benutzte Paul Gerhard häufig zwei ähnliche Begriffe, wie Freud und Wonne, munter und fröhlich, mächtig und groß oder Güter und Gaben, um diese noch zu verstärken. Das Reimschema lautet: aa bb c dd ee c.

Das Lied schließt thematisch in der letzten Strophe mit einem Ausblick auf das himmlische Paradies ab.

Kreuz und Elende, das nimmt ein Ende;
nach Meeresbrausen und Windessausen
leuchtet der Sonnen gewünschtes Gesicht.
Freude die Fülle und selige Stille
hab ich zu warten im himmlischen Garten;
dahin sind meine Gedanken gericht’.

Paul Gerhardt betrachtet die besungene Sonne als Symbol, sowohl für Gottes Liebe und Gnade, als auch als das für uns notwendige Licht. Die Sonne lässt alles gedeihen und ermöglicht daher überhaupt erst unser Leben. So ist nicht verwunderlich, dass in alten Religionen die Sonne als ein Gott verehrt wurde. Für die Menschen damals, zu Paul Gerhardt´s Zeiten, trifft dies im weit stärkeren Maße zu. In Mitteleuropa herrschte die so genannte „Kleine Eiszeit“. Die Temperaturen waren durchschnittlich für ca. 150 Jahre etwa 2,0 Grad niedriger als heute. Daher waren die Winter lang und kalt, die Sommer hingegen kurz und kühl. Wodurch sich die Wachstumsperiode verkürzte und Pflanzen nur kümmerlich wuchsen. Die Ernte fiel oft schlecht aus. Da jedoch gleichzeitig die Bevölkerung wuchs, gehörte  Hunger zum Alltag. Das Licht der Sonne fördert unser Wohlbefinden und Fröhlichkeit, alles erscheint leichter, wenn sie scheint. Daher wird in nordischen Ländern die Mittsommernacht gefeiert und in südlichen Ländern führen die Menschen ein “Dolce Vita“.

Paul Gerhardt spart in seinem Lied jedoch auch nicht mit Schatten und Leid. So möchte er das „Darniederliegen von Haupt und Gliedern“ nicht nur für Schlafen, sondern für alles was uns niederdrückt, verstanden wissen. Sehen wir jedoch auf Gottes Liebe, so kann man sich daran wieder aufrichten. Der Verfasser des Psalms 121 betet ähnlich: „Ich blicke auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat!“

Die güldne Sonne, voll Freud und Wonne
bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen
ein herzerquickendes, liebliches Licht.
Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder;
Aber nun steh ich, bin munter und fröhlich,
schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

In der 2. Strophe beschreibt er Gottes Größe und seine Schöpfung. Insbesondere den Himmel, wo Gott herrscht und wir nach unserem Tode aufgenommen werden, um dann bis in alle Ewigkeit in seiner Gegenwart zu leben.

Mein Auge schauet, was Gott gebauet.
Zu seinen Ehren und uns zu lehren,
wie sein Vermögen sei mächtig und groß.
Und wo die Frommen dann sollen hinkommen,
wann sie mit Frieden von hinnen geschieden
aus dieser Erde vergänglichem Schoß.

Zur Zeit des alten Testaments war es üblich Göttern Opfer darzubringen, so machten es  auch die Israeliten. Kein Gottesdienst im Jerusalemer Tempel, der ohne ohne Tier- oder Brandopfer auskam. Deren Durchführung war nach dem Gesetz Mose zwingend erforderlich. Aber Gott ließ irgendwann seinem Volk durch die Propheten wissen, dass er die Opfer, ohne aufrichtiges Bekennen der eigenen Schuld und der Bitte um Vergebung, ihrer überdrüssig ist und nicht mehr annehmen wird. Daher fordert auch Paul Gerhardt von seinen Lesern ein Leben ohne Sünde, dies gefällt Gott sehr viel mehr, als irgendwelche Opfer. Nach Jesu Christi Kreuzestod und Auferstehung, sind Opfer nicht mehr notwendig, da er bereits das Kostbarste für uns stellvertretend geopfert hat – sein Leben, das gänzlich ohne Sünde war.

Lasset uns singen, dem Schöpfer bringen
Güter und Gaben; was wir nur haben,
alles sei Gottes zum Opfer gesetzt!
Die besten Güter sind unsre Gemüter;
sind Weihrauch und Widder,
an welchen Er sich am meisten ergötzt.

Gott soll der Herr unseres Lebens sein, seine Gnade umgibt uns ganz, ob wir wachen oder schlafen. Seine Hände halten uns, in jeder Lebenssituation. In guten und besonders in schlechten Zeiten. Das erinnert an Worte aus Psalm 139: „...(Egal, ob) Ich gehe oder liege, du bist um mich und siehst alle meine Wege ... von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir!“. Wenn wir nur unser ganzes Vertrauen in ihn setzen und uns seinem Erbarmen anvertrauen.

Abend und Morgen sind seine Sorgen;
Segnen und mehren, Unglück verwehren,
sind seine Werke und Taten allein.
Wenn wir uns legen, so ist er zugegen;
wenn wir aufstehen, so lässt er aufgehen
über uns seiner Barmherzigkeit Schein.

Ich habe mich auf die ersten vier Strophen konzentriert, denke ich doch dass sie die Kernaussagen des Liedes vermitteln. Sollten Sie Interesse daran haben das ganze Lied zu lesen, Sie finden es im Ev. Gesangbuch unter der Nummer 449.

Ich wünsche Ihnen allen einen solch festen Glauben, wie ihn Paul Gerhardt hatte und sein Vertrauen auf Gott und seinem Wirken in der Welt. Ihnen allen eine wunderschöne sonnige Sommerzeit. Amen.

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